Benefiz_2026_Englisch - Wertheim
Eine Nacht mit spannenden Einblicken in den Vatikan
Der Förderverein Stiftskirche lud gemeinsam mit den Wertheimer Serviceclubs Rotary und Lions zur „Langen Nacht der Stiftskirche“ ein. Als Gast des Abends konnte der bekannte Journalist, Buchautor und Vatikan-Korrespondent Andreas Englisch begrüßt werden. Die beiden Serviceclubs ermöglichten den Besuchern den kostenfreien Zugang zu seinem Vortrag. Gleichzeitig verbanden sie damit die Hoffnung auf Spenden für die Restaurierung der Glocken und des Turms der ehrwürdigen Stiftskirche.
Bereits vor dem offiziellen Einlass wurden die Türen geöffnet, denn der Andrang war groß. Schnell füllte sich das Kirchenschiff bis hinauf in die oberen Ränge. Martina Wenzel vom Förderverein und Dekanin Wibke Klomp eröffneten den Abend. Einen Vatikanexperten in einer evangelischen Kirche zu begrüßen, war durchaus ungewöhnlich – und zugleich ein schönes Zeichen gelebter Ökumene.
In ihren Grußworten stellten die Präsidenten der beiden Serviceclubs den Gast und die Entstehung der Veranstaltung vor. Der Präsident des Lions Clubs gab einen kurzen Einblick in den Werdegang von Andreas Englisch, während die Präsidentin des Rotary Clubs erläuterte, wie die Idee zu diesem Abend entstanden war und wie es gelungen war, den renommierten Journalisten für Wertheim zu gewinnen.
Anschließend gehörte das Kirchenschiff ganz Andreas Englisch. Mit viel Humor und lebendigen Schilderungen nahm er sein Publikum mit zurück zu seinen Anfängen in Rom im Jahr 1987. Eigentlich hatte er damals nur sein Italienisch verbessern wollen und interessierte sich vor allem für Fußball. Als ihm das Geld ausging, ergab sich eher zufällig die Möglichkeit, im Umfeld des Vatikans journalistisch Fuß zu fassen. Was zunächst wie eine Übergangslösung aussah, wurde zur Berufung: In rund vier Jahrzehnten erlebte er vier Päpste und gewann tiefe Einblicke in das Leben und Wirken der Oberhäupter der katholischen Kirche.
Seine Erzählungen sorgten immer wieder für herzhaftes Lachen und staunende Gesichter im Publikum. Englisch berichtete von zahlreichen Reisen, die er begleiten durfte, und von außergewöhnlichen Begegnungen und kuriosen Erlebnissen. Dazu gehörten die beste Party seines Lebens mit Papst Johannes Paul II. ebenso wie die Beobachtung, dass Papst Franziskus auf seinen Reisen immer wieder ganz normale Menschen mitnahm – etwa eine Frau aus der Wäscherei oder einen Elektriker.
Auch die persönlichen Eigenheiten der Päpste, die unterschiedlichen Charaktere der Kirchenoberhäupter und die bewusst gestalteten Wege ihrer Nachfolger kamen zur Sprache. Dabei sparte Englisch auch schwierige Themen nicht aus. Offen sprach er über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche und beleuchtete Hintergründe des Rücktritts von Joseph Ratzinger, Papst Benedikt XVI.
Die Zeit verging wie im Flug. Nach dem kurzweiligen, zugleich unterhaltsamen und kritischen Vortrag stellte sich den Zuhörern die Frage, wie offen Andreas Englisch über den Vatikan berichten könne und warum ihm dies gestattet werde. Der Journalist verriet, dass seine berufliche Laufbahn nicht durchgehend im Vatikan verlaufen sei. Auch seine drei Wünsche an die katholische Kirche formulierte er mit bemerkenswerter Klarheit.
Im Anschluss nutzten viele Besucher die Gelegenheit, eines seiner drei Bücher zu erwerben und persönlich signieren zu lassen. Am Büchertisch entwickelten sich zudem weitere Gespräche und Diskussionen, bei denen Andreas Englisch zusätzliche Fragen beantwortete.
Doch nicht nur der Vortrag machte den Abend zu einem besonderen Erlebnis. Der Förderverein schenkte Cocktails und weitere Getränke aus und bot herzhaftes Gebäck an. Die Erlöse kamen den Restaurierungsarbeiten an der Stiftskirche zugute. Die Serviceclubs standen ebenfalls mit Spendenkörbchen bereit. Darüber hinaus konnten die Besucher die geöffnete Sakristei besichtigen oder an einer der gut angenommenen Turmführungen teilnehmen.
So wurde die „Lange Nacht der Stiftskirche“ zu einem rundum gelungenen Abend, der spannende Einblicke, anregende Gespräche und gemeinschaftliches Engagement miteinander verband – ganz im Sinne der Ökumene und zum Wohl der historischen Stiftskirche.



